Gentechnikfreie Saatgutarbeit dauerhaft sichern

Versteckte Gentechnik im Saatgut?

Die EU Kommission arbeitet an einer Verordnung für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Saatgut. Niedrige GVO-Vorkommen (LLP = Low Level Presence) könnten danach systematisch behördliche Kontrollen passieren. Die IG Saatgut hat einen Bericht zu möglichen Folgen erstellt, mit einem Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er zeigt wie wichtig Widerstand gegen diese Pläne ist.

Bereits jetzt kämpfen konventionell und ökologisch arbeitende SaatguterzeugerInnen in allen Phasen der Saatguterzeugung mit Problemen, Saatgut frei von GVO zu halten. Neun Fallbeispiele aus Deutschland und der Schweiz werden dazu dokumentiert. Als besonders problematisch wird bewertet, dass die Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor GVO-Kontaminationen vollständig zu Lasten der gentechnikfreien SaatguterzeugerInnen gehen. Die Sicherheit, Kontaminationen zu hundert Prozent auszuschließen, haben sie nicht.

Eine Analyse der geltenden Rechtsvorschriften zur Null-Kontamination zeigt, dass sie weit mit der Realität beim Umgang mit Saatgut auseinanderklaffen. Überall dort, wo in der EU ernsthaft kontrolliert wird, stellen Behörden seit Jahren GVO-Kontaminationen im Saatgut fest. Dennoch kann Saatgut mit GVO teilweise die Kontrollen passieren, weil die Behörden einiger Mitgliedsländer beim Vollzug Toleranzwerte anwenden; beispielsweise Österreich in Höhe von 0,1 Prozent Anteil für zugelassene und für nicht zum Anbau in der EU erlaubte GVO.

Eine Aufweichung der geltenden Null-Kontamination durch Schwellenwerte oder mittels der geplanten LLP-Verordnung, würde die Situation der gentechnikfrei arbeitenden SaatguterzeugerInnen enorm verschärfen. Den Einschätzungen der interviewten PraktikerInnen zufolge, könnte dann jede Saatgutpartie GVO-Verunreinigungen enthalten. Diese wären weder den Aussäenden bekannt, noch Vermehrungs- oder Züchtungsbetrieben der weiteren Umgebung. Jede Fläche mit kreuzungsfähigen Arten würde noch stärker als jetzt zum Risikofaktor. Aufwändigere und kostspieligere Vorsorgemaßnahmen würden notwendig. Kontaminationsfälle könnten zunehmen. ZüchterInnen, insbesondere kleinerer Betriebe, oder lokal ansässige VermehrerInnen könnten sich gezwungen sehen, ihre Arbeit aufzugeben. Ganze Regionen könnten aufgrund erhöhter Kontaminationsrisiken nicht mehr für die Vermehrung von gentechnikfreiem Saatgut zur Verfügung stehen. Dies würde den Strukturwandel von dezentraler Züchtung und Saatgutvermehrung hin zur Konzentration auf wenige große Unternehmen weiter verschärfen.

Vor diesem Hintergrund wendet sich die IG Saatgut nachdrücklich gegen die Einführung von Schwellenwerten für zugelassene GVO und erst recht gegen eine LLP-Verordnung für nicht zugelassene GVO. Damit in der EU (und in der Schweiz) auch zukünftig gentechnikfrei angebaut und produziert werden kann, fordern die Mitglieder der IG Saatgut:

  • »  Ein Moratorium für Freisetzungsversuche bzw. für den Anbau von GVO, besser ein Verbot.
  • »  Den Stopp weiterer Zulassungen von GVO.
  • »  Das Durchsetzen des Verursacherprinzips, d. h. die Kosten zur Sicherung gentechnikfreier Erzeugung tragen dann diejenigen, die die Gentechnik-Konstrukte entwickelt haben.
  • »  Strikt umgesetzte Null-Toleranz für zugelassene und nicht zugelassene GVO im Saatgut.
  • »  Wirksame Kontrolle und transparent veröffentlichte Ergebnisse – rechtzeitig vor der Aussaat.

Der Bericht kann als Broschüre beim Dreschflegel e.V. bezogen werden.

Download: „Saatgut sichern – Schwellenwerte verhindern. Auswirkungen von GVO-Verunreinigungen im Saatgut auf die ökologische und konventionelle Saatguterzeugung“



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Webseite zuletzt aktualisiert
am 21 May 2017