Neue gentechnische Verfahren

Weizen
Weizen
Äpfel
Äpfel
Mais
Mais
 
Gerste
Gerste
Soja
Soja
Kartoffeln
Kartoffeln
 
 

Alle Fotos: © ProSpecieRara

Weizen, Äpfel, Mais, Gerste, Soja und Kartoffeln gehören zu den Kulturen, die bereits mit den neuen gentechnischen Verfahren verändert wurden. Neben Projekten der Grundlagenforschung gibt es Freisetzungsversuche und erste kommerzielle Produkte kommen auf den Markt.

Wir, die in der IG Saatgut zusammenarbeitenden Organisationen, Unternehmen und Initiativen, beobachten mit Sorge, dass verschiedene molekulare Techniken für die Pflanzenzüchtung entwickelt und verwendet werden, deren rechtliche Regulierung derzeit noch nicht geklärt ist.

Es handelt sich hierbei:

1. Erstens um Techniken, die aus unserer Sicht klar der „klassischen“ Gentechnik zugeordnet werden müssten, dort aber „heraus definiert“ werden (z. B. Cisgenetik);

2. Zweitens um Techniken, bei denen „klassische“ gentechnisch veränderte Pflanzen im Laufe des Züchtungsprozesses hergestellt und verwendet werden, die gentechnischen Veränderungen im Produkt aber nicht mehr nachweisbar sein sollen, weil sie vorher entfernt wurden (z. B. Beschleunigte Züchtung).

3. Drittens gibt es Techniken, mit denen direkt auf molekularer und/ oder auf epigenetischer Ebene, also in die Genregulation eingegriffen wird (z. B. CRISPR-Cas).

Um langfristig eine gentechnikfreie Saatgutarbeit zu ermöglichen, müssen die Techniken als gentechnische Verfahren eingeordnet und reguliert werden. Es sind aber auch – vor den ersten Freisetzungen – Strategien zu entwickeln, wie die gentechnikfreie Saatgutarbeit wirksam geschützt werden kann.

Inzwischen gibt es eine Reihe informativer und kritischer Positionspapiere, Artikel und Gutachten zu den neuen Verfahren, die wir in dieser Rubrik vorstellen wollen. Sie sind eine wichtige Grundlage für die, aus unserer Sicht, dringend erforderliche Diskussion in Politik und Öffentlichkeit.

 

Unterschiede zwischen Genome Editing und Mutationszüchtung bestätigt

Gemeinsame Publikation von MitarbeiterInnen des BVL und DowDuPont

In einer aktuellen Publikation, die MitarbeiterInnen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des US-Konzerns DowDuPont verfasst haben, weisen die Autoren ausdrücklich auf erhebliche Unterschiede zwischen den neuen Gentechnikverfahren und der herkömmlichen Pflanzenzüchtung hin. Demnach können Pflanzen, die mit Genome Editing verändert werden, in der Regel auch eindeutig identifiziert und kenntlich gemacht werden. Damit widerspricht das BVL seiner (bisherigen) Position, nach der entsprechende Unterscheidungen nicht möglich seien.

Die Autoren stellen fest, dass es bei Verfahren, bei denen u.a. die Gen-Schere CRISPR-Cas zum Einsatz kommt, im Vergleich zur herkömmlichen Pflanzenzüchtung auch dann erhebliche Unterschiede gibt, wenn keine zusätzlichen Gene eingefügt werden:

(1) Anders als bei der konventionellen Züchtung werden beim Genome Editing immer alle Kopien eines Gens gleichzeitig verändert. Bei der herkömmlichen Züchtung bleiben dagegen in der Regel Sicherheitskopien der Gene im Erbgut erhalten, die die Wirkung zufälliger Mutationen ausgleichen können. Dadurch kommt es beim Genome Editing zu einem spezifischen Muster der Gen-Veränderung im Erbgut der Pflanzen. In der Publikation heißt es dazu: „Genome Editing kann dazu verwendet werden, ein bestimmtes Gen zu verändern. Jedoch liegen bei Pflanzen nur wenige Gene nur in einer Kopie vor. (…) Genome Editing ist dazu in der Lage, Gene auszuschalten, die in mehreren Kopien vorliegen. Immer dann, wenn in einer Pflanze mehrere Kopien eines Gens auf dieselbe Weise ausgeschaltet wurden, ist es also fast sicher , dass Genome Editing verwendet wurde.“ (Übersetzung durch Testbiotech)

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Neue Studie zu CRISPR

Off-target Effekte bei CRISPR

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Journal Nature Biotechnology, zeigt, dass mehr Forschung bei CRISPR unbedingt notwendig ist. Wie die Autoren um den Genetiker Allan Bradley vom Wellcome Sanger Institute im britischen Hinxton berichten, konnten sie in mehreren Experimenten unerwünschte Beschädigungen des Erbguts durch Crispr-Cas nachweisen. Größere Abschnitte der DNA seien in den Versuchen verloren gegangen, auch an jenen Stellen, an denen der Präzisionsschnitt hätte erfolgen sollen. „Der beobachtete Schaden durch den Gebrauch von Crispr-Cas in teilungsfähigen Zellen könnte krankheitsrelevante Folgen haben“, resümieren die Forscher.
Bradley und seine Kollegen waren durch Zufall auf das Problem gestoßen, als sie den Einfluss der Schere auf die Aktivität von Genen untersuchten. Zwar machte Crispr-Cas, was es sollte: Das Werkzeug schnitt das Erbmolekül DNA an der gewünschten Stelle. Zugleich jedoch fanden auch jenseits der Schnittstelle erhebliche Veränderungen statt. Die Genetiker untersuchten diesen Effekt in verschiedenen Zellarten und an verschiedenen Schnittstellen im Genom. Teilweise fanden sie unerwartete Defekte der DNA in bis zu 20 Prozent der Fälle. Dabei gingen große Stücke DNA verloren, wurden umgedreht oder an einer falschen Stelle eingebaut.

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Rundbrief Forum Umwelt und Entwicklung

Neue Gentechnik: Zwischen Labor, Konzernmacht und bäuerlicher Zukunft

Der aktuelle Rundbrief des Forum Umwelt und Entwicklung beschäftigt sich mit den neuen Gentechnik-Verfahren. Behandelt werden wissenschaftliche Grundlagen der Verfahren, rechtliche Grundlagen (EuGH-Urteil), bäuerliche Argumente, Patente im Bereich der neuen Verfahren, Alternativen (z. B. die Biozüchtung), die Verfahren und ihre Rolle für die Bioökonomie (nachwachsende Rohstoffe), Fragen der Welternährung, Afrika als Versuchsfeld für neue gv-Pflanzen sowie medizinische Anwendungen.

» Download des ganzen Heftes sowie der einzelnen Artikel hier: Rundbrief Forum Umwelt und Entwicklung


Keine Gentechnik durch die Hintertür

Neue Studie von Annemarie Volling

Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat im Auftrag von Maria Heubuch (MdEP) eine Studie verfasst.
Im einleitenden Text heisst es:
Nach dem EuGH-Urteil vom 25. Juli 2018 hat die Diskussion um die neuen Gentechnik-Verfahren noch mal an Schärfe gewonnen. Nachdem zunächst das EuGH-Urteil von interessierten Kreisen als „nicht wissenschaftlich“, „rückwärtsgewandt“ und „innovationsfeindlich“ dargestellt wurde, nimmt der Druck auf die Politik zu, die Gentechnik-Richtlinie 2001/18 zu ändern oder zu öffnen. In der vorliegenden Studie wird einleitend das EuGH-Urteil vom 25. Juli 2018 dargestellt und bewertet. Danach werden zum Überblick einige Positions- und Forderungspapiere der Gentechnik-Befürworter*innen aufgeführt, die mit einigem zeitlichen Abstand zum Urteil veröffentlicht wurden und die in die Richtung plädieren, die Gentechnik-Richtlinie zu ändern. Im Oktober 2018 veröffentlichten Forscher von wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten einen öffentlichen Brief. Darauf folgte der „Bioökonomierat“, der sich als Beratungsgremium der Bundesregierung versteht. Im Frühjahr 2019 zogen die Agrarindustrie-Verbände nach, erst aus Deutschland, dann die europäischen Dachverbände, die entsprechende Forderungen vorbringen. Zudem werden die Äußerungen von einzelnen WTO-Ländern, der EU-Kommission und der deutschen Bundesregierung dargestellt. Die Argumente und Forderungen werden jeweils geclustert und dann einer ausführlichen Prüfung und Bewertung unterzogen. Abschließend wird erläutert, warum wir eine Regulierung zum Erhalt einer gentechnikfreien Züchtung, Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung brauchen.

» Zum Download der Studie





 
 
Schöne Neue Gentechnik?!
 
 
 

Download IG Saatgut Informationsbroschüre zur neuen Gentechnik & Faktencheck der Argumente der Befürworter*innen

 
 

Gentechnik ist Teil einer industriellen Landwirtschaft. Gentechnik behindert Vielfalt und gemeinwohlorientierte Saatgutarbeit. Zur Info-Grafik

Webseite zuletzt aktualisiert
am 14 Aug 2019