Neue gentechnische Verfahren

Weizen
Weizen
Äpfel
Äpfel
Mais
Mais
 
Gerste
Gerste
Soja
Soja
Kartoffeln
Kartoffeln
 
 

Alle Fotos: © ProSpecieRara

Weizen, Äpfel, Mais, Gerste, Soja und Kartoffeln gehören zu den Kulturen, die bereits mit den neuen gentechnischen Verfahren verändert wurden. Neben Projekten der Grundlagenforschung gibt es Freisetzungsversuche und erste kommerzielle Produkte kommen auf den Markt.

Wir, die in der IG Saatgut zusammenarbeitenden Organisationen, Unternehmen und Initiativen, beobachten mit Sorge, dass verschiedene molekulare Techniken für die Pflanzenzüchtung entwickelt und verwendet werden, deren rechtliche Regulierung derzeit noch nicht geklärt ist.

Es handelt sich hierbei:

1. Erstens um Techniken, die aus unserer Sicht klar der „klassischen“ Gentechnik zugeordnet werden müssten, dort aber „heraus definiert“ werden (z. B. Cisgenetik);

2. Zweitens um Techniken, bei denen „klassische“ gentechnisch veränderte Pflanzen im Laufe des Züchtungsprozesses hergestellt und verwendet werden, die gentechnischen Veränderungen im Produkt aber nicht mehr nachweisbar sein sollen, weil sie vorher entfernt wurden (z. B. Beschleunigte Züchtung).

3. Drittens gibt es Techniken, mit denen direkt auf molekularer und/ oder auf epigenetischer Ebene, also in die Genregulation eingegriffen wird (z. B. CRISPR-Cas).

Um langfristig eine gentechnikfreie Saatgutarbeit zu ermöglichen, müssen die Techniken als gentechnische Verfahren eingeordnet und reguliert werden. Es sind aber auch – vor den ersten Freisetzungen – Strategien zu entwickeln, wie die gentechnikfreie Saatgutarbeit wirksam geschützt werden kann.

Inzwischen gibt es eine Reihe informativer und kritischer Positionspapiere, Artikel und Gutachten zu den neuen Verfahren, die wir in dieser Rubrik vorstellen wollen. Sie sind eine wichtige Grundlage für die, aus unserer Sicht, dringend erforderliche Diskussion in Politik und Öffentlichkeit.

 

taz-Interview mit Urs Niggli: CRISPR-Cas für den Biolandbau?

Offener Brief und fachliche Erwiderung von Hans-Joachim Bannier

“Der Bio-Papst sagt: Gentechnik kann öko sein” titelte die TAZ am Mittwoch, den 06.04.2016 auf der ersten Seite. Und auf Seite 3 folgte ein weiterer Artikel “Die neue Gentechnik hat grosses Potenzial”. Es handelt sich um ein Interview mit Prof. Urs Niggli, Leiter des Forschungsinstituts für den ökologischen Landbau (Fibl) in der Schweiz.
Das Interview hat viele Reaktionen ausgelöst. Neben einer Pressemitteilung der Bingenheimer Saatgut AG hat sich auch der Pomologe und Züchter Hans-Joachim Bannier in einem offenen Brief und einer fachlichen Stellungnahme zum Taz-Interview geäussert. Darin geht er sehr fundiert auf die im Interview gemachten Ausführungen zur Apfelzüchtung ein. In der Unabhängigen Bauernstimme beschäftigen sich Annemarie Volling (AbL) und Eva Gelinsky (IG Saatgut) mit CRISPR.


Interne Dokumente belegen: USA drängen Europa zur neuen Gentechnik

Bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente der EU-Kommission von Greenpeace, CEO & Genewatch veröffentlicht

Die Papiere beweisen, dass die US-Regierung erheblichen Druck auf die EU-Kommission ausübt, um neue gentechnische Verfahren für die Veränderung von Pflanzen nicht den strengeren EU-Regeln zu unterwerfen. Seit Ende 2015 hat die EU-Kommission ihre rechtliche Einschätzung immer wieder verschoben. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die neuen Verfahren vermutlich als Gentechnik eingestuft worden wären. Auf Druck der US-Regierung scheint die rechtliche Einschätzung der Kommission weiter unter Verschluss gehalten zu werden. In Europa existieren klare Regelungen im Umgang mit gentechnisch veränderten Tieren und Pflanzen. In den USA gelten Methoden des „Genome Editing“ nicht als Gentechnik. Nach Willen der USA und mächtiger Gentechnikkonzerne wie Monsanto, Cibus oder DuPont soll sich die EU den US-Standards anpassen.

» Presseerklärung von Greenpeace

» Hintergrundpapier mit zahlreichen Quellenangaben

» Zur Meldung beim Informationsdienst Gentechnik


Präzise Erbgutveränderungen dank CRISPR?

God’s Red Pencil? CRISPR and The Three Myths of Precise Genome Editing

According to the media “genome editing” techniques can precisely alter the DNA of living organisms. These are so “red-hot” and “game-changing” that they will change the landscapes of medicine and agriculture. The safety and effectiveness of these techniques hinges crucially on the claim of precision, yet how plausible is it? This article delineates three ways in which these technologies currently lack precision.
1) Present versions of CRISPR and other technologies are error prone and unpredictable.
2) Even if they were precise, purposeful manipulation of DNA depends on understanding of its functions, which we largely lack.
3) CRISPR boosters are proceeding on a commonplace but faulty premise of gene function that is not supported by science. They have a dangerously narrow vision of how DNA influences traits that frames risk assessment as unnecessary.

» Zum lesenswerten Artikel von Jonatham Latham auf Independent Science News


Interview mit Eva Gelinsky

Wie weit ist die Entwicklung von neuen GV-Pflanzen?

Die Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit hat im April 2016 eine Tagung zu „Neuen molekularen Techniken in der Pflanzenzüchtung“ veranstaltet. Neben den technischen Entwicklungen standen auch Regulierungsfragen auf dem Programm, und es wurde versucht abzuschätzen, wie weit und wie konkret die Entwicklung bereits fortgeschritten ist. Eva Gelinsky im Interview von Christof Potthof für den Gen-ethischen Informationsdienst (GID Nr. 236, Juni 2016).

» Download Interview


Schöne neue Gentechnik?

Fachgespräch der grünen Bundestags- und Europaparlamentsfraktion

Die Debatte über die Einordnung und Regulierung der sogenannten neuen Pflanzenzucht-Verfahren und ihrer Produkte als Gentechnik ist in vollem Gange. Am 10. Juni 2016 diskutierten in einem gemeinsamen Fachgespräch der grünen Bundestags- und Europaparlamentsfraktion ExpertInnen aus Politik, Behörden, Forschung, Landwirtschaft und Verbänden über Risiken und Folgen einer unregulierten Freisetzung für die gentechnikfreie und ökologische Landwirtschaft in Europa, Umwelt und die Wahlfreiheit der VerbraucherInnen.

» Einen kurzen Veranstaltungsbericht findet man hier


Verband Lebensmittel ohne Gentechnik veröffentlicht Positionspapier

Strikte Regeln für neue Gentechnikverfahren

Der VLOG, dem im Deutschland grosse Handelsunternehmen wie REWE und Lidl angehören, hat sich jetzt klar positioniert: Die neuen Gentechnikverfahren müssen wie die bisher bekannten strikt geregelt werden. Die so gezüchteten Pflanzen und Tiere sind genauso als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zu betrachten.
„Damit müssen für sie die gleichen Regeln gelten, die in der Europäischen Union bisher für GVO angewandt wurden“, erläutert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. Dazu gehöre vor allem die EU-Freisetzungsrichtlinie und die damit verbundenen Verordnungen. Danach müssen GVO, bevor sie freigesetzt oder in den Handel gebracht werden, ein Zulassungsverfahren durchlaufen, bei dem die Risiken für Mensch und Umwelt bewertet werden. Außerdem müssen sie als solche gekennzeichnet werden, damit sie in der Produktionskette rückverfolgbar sind. Nur so können die gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion geschützt und Transparenz und Wahlfreiheit für die Verbraucher gewährleistet werden, heißt es in dem Positionspapier des VLOG.

» Download Positionspapier


Stellungnahme: Präzise Gentechnik?

Kritik an Genome Editing

Das Gen-ethische Netzwerk (GeN) fordert, dass auch in Zukunft jegliche Anwendung von Genome Editing-Verfahren an reproduktiven menschlichen Zellen verboten bleiben muss. Das ist nur eine von insgesamt acht Forderungen, die das GeN in einer am 3. Februar 2017 veröffentlichten Stellungnahme formuliert. Darin setzt sich das GeN sowohl mit dem wissenschaftlichen wie auch dem gesellschaftlichen Umgang mit den neuesten Spielarten der Gentechnik auseinander – sowohl was deren Nutzung in der Medizin wie auch in der Landwirtschaft anbelangt.

» Zum Download der Stellungnahme

» Zum Download eines Beiblatts mit Zitaten und weiterführender Literatur


New techniques of genetic engineering

Why EU GMO law must be fully applied to the so-called ‘New Plant Breeding Techniques’

Februar 2017: In einem gemeinsamen Positionspapier fordern zwanzig europäische NGOs, darunter auch die IG Saatgut, dass die neuen gentechnischen Verfahren unter dem bestehenden EU-Gentechnikrecht reguliert werden. Dies lasse sich nicht nur rechtlich begründen, sondern sei auch aus Gründen der Biosicherheit und der Wahlfreiheit (von Konsument_innen, Bäuerinnen und Bauern sowie Züchter_innen) zwingend erforderlich.

»New techniques of genetic engineering_Joint position_February 2017





 
 
Kein Patent auf Leben - Studie /klein
 

Wie sich Patente auf Pflanzen auswirken …
Informationen zur Studie

Durch GVO bereits bedrohte Kulturpflanzen:

Paprika

Paprika

Versuche mit Gentech-Paprika sind aus den USA und China bekannt.

Webseite zuletzt aktualisiert
am 28 Oct 2017